"Als die Rot noch in die Donau floss"

(Herr Prof. Dr. Simon)

 

 

 

Fichtenberg■ Auf eine spannende Reise in die Erdgeschichte nahm Professor Dr. Theo Simon seine Zuhörer im Musikraum der Fichtenberger Schule mit. Auf Einladung der Bürgerstiftung Fichtenberg referierte er über unsere heimat-lichen Flusslandschaften, die vor Jahrmillionen ganz anders aussahen, und deren Wasser andere Fließrichtungen - im Vergleich zu heute - einschlugen

 
Die Ausführungen zu  den erdgeschichtlichen Forschungen des erfahrenen Geologen ließen das Publikum am Ende nicht zweifeln, dass die Rot tatsächlich einmal zur Donau floss. Das war vor mehr als 100 Millionen Jahren. Das Kartenbild, das Dr. Simon zeigte, erweckte eher den Eindruck eines Gemäldes mit lauter blauen Regenwürmern. Erst seine Erläuterungen und die in Jahrmillionenschritten veränderten Kartenzeichnungen verdeutlichten das Bild der Urflusslandschaften. Damals wäre es möglich gewesen, mit dem Dampfer von München nach Hamburg zu fahren, verblüffte Simon das gebannte Publikum. Rot in Donau
 
Nicht nur Rot und Kocher lenkten ihre Fluten gen Donau. Auch der obere Neckar schickte seine Wasser in dieselbe Richtung. Zunächst mündeten die Flüsse unserer Gegend in die Urbrenz. Es verwundert daher nicht, dass Feuersteine des Flinsbergs bei Oberrot auf der schwäbischen Alb auftauchen. Ein Beweis dafür sind die Goldshöfer Sande. In ihnen wurden Materialablagerungen aus der hiesigen Gegend gefunden. Die Absenkung des Oberrheingrabens hat letztlich zur Umkehr der Fließrichtung zum Rhein geführt. Dies ist hauptsächlich auf das stärkere Flussgefälle in Richtung Rhein zurückzuführen.
 
Kaum vorstellbar welches Landschaftschaos die Meteoriteneinschläge im Nördlinger Ries und bei Steinheim am Albbuch verursachten. So kam es, dass die Jagst plötzlich in den Kocher mündete. Erst vor 500000 bis 200000 Jahren begannen die Flusssysteme ihrem heutigen Lauf zu ähneln. Die hochkonzentrierten Zuhörer schreckte der Geologieprofessor mit der nicht ganz ernst gemeinten These auf, dass der „homo heidelbergensis“ durchaus ein Fichtenberger sein könnte. Erst die Besiedlung durch Menschen wandelte die kargen Urwüsten in bäuerliche Kulturlandschaften. Damit führte er - unterstützt durch anschauliches Bildmaterial - allmählich in unsere heutige Zeit. Die Hochflächen über den steilen Talhängen zeugten von den alten Flusstälern, wusste Dr. Simon.
 

Ein Ende der geologischen Veränderungen sah er dagegen nicht. Bäche und Flüsse würden nach wie vor zwar geringe Mengen von Material transportieren, das hochgerechnet auf weitere Millionen Jahre jedoch  unvorstellbare Dimensionen annehme. Dass das Flusssystem, das die meiste Zeit in der Erdgeschichte zur Donau hin geflossen sei, Anzeichen einer sich verändernden Abflussrichtung aufweise, der Einbruch des Oberrheingrabens eine Änderung geschaffen habe, deren Ausgleich noch nicht erreicht sei, und dass die Nachbarflüsse Zeugen wären, dass die Rot einst tatsächlich zur Donau floss, das sollten seine Zuhörern aus dem Vortrag mitnehmen, lautete der Wunsch des Wissenschaftlers.

/kr.

 

 
 
 
Quelle: Rundschau Gaildorf .05.2012