Lob und Lohn fürs Engagement

Bürgerstiftung Fichtenberg vergibt sechs Anerkennungspreise – Festakt im Bürgersaal des Rathauses

 

Die Fichtenberger Bürgerstiftung hat am Donnerstag ihre diesjährigen Anerkennungspreise verteilt. Sechs Preise wurden in einem kleinen Festakt verliehen. Der jüngste Preisträger ist 14 Jahre alt

Fichtenberg. Für besondere Leistungen, die auch die Bekanntheit Fichtenbergs fördern, werden die Anerkennungspreise der Fichtenberger Bürgerstiftung vergeben. Dass es keine Honoratioren-Ehrung sein soll, hat der Stiftungsbeirat bei seinen diesjährigen Entscheidungen mit Nachdruck unterstrichen. Erstmals wurden auch zwei Teenager ausgezeichnet: Der 14-jährige Michael Sonner und die 16-jährige Schwimmsportlerin Samira Hösl.

Mathekäpsele und außergewöhnliches Schwimmtalent

Michael Sonner, der das Hochbegabtengymnasium in Schwäbisch Gmünd besucht und ein schulbegleitendes Frühstudium an der Uni Stuttgart absolviert, hat sich beim Wettbewerb „Schüler experimentieren“ mit einem Verwaltungsprogramm für Fotografien als zweiter Landessieger profiliert. Wie er das gemacht hat, hat Michael Sonner seinem Laudator Dr. Wolfgang Schütt erklärt, der aber, wie er freimütig einräumte, im Wesentlichen nur verstanden hat, dass das Programm funktioniert – aber das sei schließlich auch die Hauptsache. Sonner sitzt indes schon am nächsten Programm – seine Zukunft sieht er in der Mathematik oder in der Informatik.

Samira Hösls Zukunft liegt im Wasser. Die 16-Jährige ist ein außergewöhnliches Schwimmtalent. Als Top-Schwimmerin des TSV Gaildorf kann sie bereits auf unzählige Wettbewerbserfolge verweisen. Allein 32 Vereinsrekorde habe sie aufgestellt, berichtete ihr Laudator Konrad Mandl, bei den Jahrgangsmeisterschaften in Berlin habe sie den Endlauf um gerade mal vier Hundertstel verpasst. Mittlerweile besucht Samira Hösl das Wirtemberg-Gymnasium, die Elite-Sportschule in Untertürkheim. Johnny Behnert von der TSV-Schwimmabteilung, so Mandl, habe schon geflachst, Fichtenberg werde dereinst in „Höslberg“ umbenannt  

Oder in „Fahrwerk-City“. Kaum jemand hat sich um die Bekanntheit Fichtenbergs so verdient gemacht wie Klaus Wohlfarth, Gründer und Chef des Tuningspezialisten KW Automotive. Wohlfarth, der einst mit wenigen Mitarbeitern nach Fichtenberg kam, zeichne für ein lokales Wirtschaftswunder verantwortlich, sagte Bürgermeister Roland Miola. KW ist heute mit mehr als 130 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Gemeinde  und stets im Fokus der Fachpresse und des Sportfernsehen. Dennoch, so Miola, habe Wohlfarth nie seine Erdung verloren. Der Unternehmer engagiert sich im Unternehmerforum Oberes Murrtal ebenso wie für die Zukunftswerkstatt Fichtenberg.

Anerkennungspreis 2010

Die Stiftungspreisträger und ihre Laudatoren. Vorne (von links): Helmut Stroh und Dr. Wolfgang Schütt vom Stiftungsbeirat, die Preisträger Albrecht Schmidt, Ernst Koch, Michael Sonner, Kurt Noller, Klaus Wolfarth, Samira Hösl und Beirat Walter Feucht, hinten die Beiräte Horst Kleinknecht, Konrad Mandl und der Vorsitzende, Bürgermeister Roland Miola. Foto: Färber

Fest in Fichtenberg geerdet ist aber vor allen Albrecht Schmidt. „Es müsste einem um die Gesellschaft nicht bange sein, wenn andere Menschen nur einen Bruchteil dessen leisten würden, was Schmidt geleistet habe, sagte Laudator Ernst Stroh. Schmidt war von 1988 bis 1996 Feuerwehrkommandant und hat in dieser Zeit auch die Jugend und die Altersabteilung gegründet. Die Wehr ist immer noch Schmidtgeprägt: Sohn Klaus ist Kommandant, Sohn Martin gehört zu den Aktiven und auch der Enkel Lukas mischt bereits mit. Albrecht Schmidt, der jüngst eine schwere Krankheit überwunden hat, war zudem von 1981 bis 2009 Wildschadensschätzer der Gemeinde, von 1963 bis 2010Waagmeister von Mittelrot, von 1979 bis 1998 Obmann der Gemeinde im Bauernverband. Von 1973 bis 2001 setzte er sich als Aufsichtsrat der VR-Bank vor allem für die Belange der Landwirtschaft ein. Die Familie habe ihn getragen, sagte Schmidt, der unter anderem mit dem goldenen Ehrenkreuz des Landes ausgezeichnet wurde.

Auch Ernst Koch hat Mittelrot seinen Stempel aufgedrückt. Geboren in Dinglesmad, aufgewachsen in Reutehaus, heute wohnhaft in Oberrot sei er definitiv „einer von uns“, sagte Walter Feucht, der die Laudatio hielt. Koch hat den Liederkranz Mittelrot 1949 initiiert und mitgegründet und führte den Verein seit 1951 lange Zeit durch alle Höhen und Tiefen. Koch hat Bühnenpräsenz, das zeigte sich bei den Theateraufführungen des Liederkranzes und das zeigt sich heute noch, wenn er als Sprecher der Vereine auftritt. Für seinen Liederkranz führt Koch die Vereinschronik; sie umfasst zwischenzeitlich mehr als 15 Bände. Koch, ein ausgewiesener Vereinsmensch, ist hoch dekoriert, er hat die Verdienstmedaille des Landkreises, die Ehrennadel des Landes und zu seinem 75. Geburtstag die Staufermedaille erhalten.

Uneigennützig für Gemeinschaft und Gemeinde

Die Stillen hat die Stiftung nicht vergessen. Mit Kurt Noller, langjähriger Bauhofmitarbeiter und seit kurzem im Ruhestand, wurde ein Mann ausgezeichnet, der zupackt. Noller sei kein Mann fürs Rednerpult, sagte Bürgermeister Miola, aber er sei einer, der Dinge zum Funktionieren bringe, der selbstverständlich zupacke. Menschen wie Noller, so Miola, mögen kleine Rädchen sein, für eine Gemeinschaft aber seien sie von unschätzbarem Wert: „Was nützt es, am Schalthebel zu ziehen, wenn sich nichts tut.“ Kur Noller liebt die Singstunde, kassiert seit 1970 für die SKF, ist Blumenpate und engagiert sich im Gehörlosenverein Schwäbisch Gmünd. „Für Dinge, die es ihm wert sind, legt er sich krumm“, sagte Miola. Es ist eine wesentliche Eigenschaft, die mit Kurt Noller ausgezeichnet wurde: Uneigennützigkeit.